Mabon, die Herbst Tag- und Nachtgleiche
Mabon wird zur Herbst-Tagundnachtgleiche um den 21. September gefeiert. Es ist der kalendarische Herbstanfang, der zwischen dem 20. bis 23. September liegt. Goldene Blätter, reife Äpfel, Nüsse und die letzte Pracht der Spätsommerblumen sind nun die Zeichen in der Natur. Es ist die Zeit der Fülle und die Zeit der Ernte, es ist die Zeit von Erntedank.
Nach einem sonnigen Sommer halten sich nun Licht und Dunkelheit für einen kurzen Moment exakt die Waage. Es ist die Zeit des absoluten Gleichgewichts, bevor die Tage nun wieder kürzer werden. Was zu Lammas geschnitten wurde, wird nun in seiner ganzen Fülle eingeholt und gefeiert. Mabon erinnert uns daran, innezuhalten und Bilanz zu ziehen: Welche Früchte hat unser Jahr getragen?
Götter und Mythen im Rad des Jahres
Während zu Ostara die jugendliche Kraft im Vordergrund stand, begegnen wir an Mabon dem reifen Aspekt der Götter. Der Sonnenkönig, der zu Litha seinen Zenit erreichte, bereitet sich nun darauf vor, als den Weg in die Unterwelt anzutreten.
Mabon ist das Fest der Schwellenrituale und des Abstiegs, das seit vielen tausend Jahren und in verschiedenen Traditionen gefeiert wird. In der keltischen Tradition begegnen wir zum Beispiel dem Namensgeber Mabon ap Modron, dem „Sohn der Mutter“, dessen Reise in die Anderswelt den Rückzug des Lichts in die Erde versinnbildlicht. Die griechische Mythologie spiegelt dies im Abstieg der Persephone wider: Ihr Gang in die Unterwelt lässt ihre Mutter Demeter trauern und markiert den Beginn des Winters. Während in der römischen Antike der Wein- und Wandlungsgott Bacchus sowie die Obstgöttin Pomona die reiche Ernte feiern, bereiten sich in der germanischen Überlieferung die Menschen durch Opfergaben an die Erntegeister auf die „Wilde Jagd“ Wotans vor. Auch die christliche Tradition greift diese Energie auf: Das Erntedankfest und der Tag des Erzengels Michael (29. September) symbolisieren das Trennen der Spreu vom Weizen und das Wiegen der Seelen – ein direktes Echo der herbstlichen Waage-Energie und der inneren Bilanzierung.
Erntedank und das Gleichgewicht
Mabon ist das Fest der Dankbarkeit. Wir feiern das „zweite Erntefest“ und danken für alles, was uns im Leben nährt – physisch wie spirituell. In vielen Traditionen ist dies die Zeit des Erntedanks, in der wir den Reichtum der Natur ehren. Doch Mabon hat auch eine ernste Seite: Das Gleichgewicht. Wir blicken auf unsere eigenen Licht- und Schattenseiten. An Mabon begegnen sich das Außen und das Innen. Während es bei der Ernte früher um Vorräte und das Überleben im Winter ging, nutzen wir die Energie heute für unsere persönliche Ausrichtung. Es ist die Zeit, um alte Rechnungen zu begleichen, Frieden zu schließen und Ordnung in unser Inneres zu bringen, bevor wir uns in die Stille des Winters zurückziehen.
Der Mabon-Altar: Symbole und Farben
Der Altar wird jetzt zum Spiegel der Natur. Wir dekorieren ihn mit allem, was die Fülle zeigt: Ente-Korb oder ein Füllhorn voller Maiskolben, Äpfel, bunte Herbstblätter, Eicheln und Kastanien. Eine Schale mit Getreidekörnern symbolisiert dabei die Hoffnung auf das neue Leben, das im nächsten Frühjahr aus der Dunkelheit erwachen wird. Wein und Saft und Marmelade zeigen die bereits verarbeiteten Früchte.
Die Farben des Altars sind nun Gold, Braun, Orange und ein tiefes Weinrot.
Pflanzenhelfer und Krafttiere zur Mabon-Zeit
In der Natur liegt der Fokus nun auf Früchten, Samen, Nüssen und ersten Wurzeln. Viel Pflanzenkraft fließt jetzt in die reifen Früchte, die den Samen für das kommende Jahr in sich tragen. Wenn wir sie ernten und essen, erhalten wir die Kraft für den Übergang. So ernten wir, was den Sommer über gereift ist – stofflich und auch im übertragenen Sinne.
Die Heckenrose ist eine der zentralen Kraftpflanzen dieser Zeit und ihre Hagebutten sind Gold wert. Denn Hagebuttentee mit Honig und Zitrone gilt zu Mabon als wahrer „Zaubertrank“. Die Süße der Brombeeren erinnert an den vergangenen Sommer, während ihre schwarze Farbe bereits den Abschied vom Sonnenkönig und den Weg in die dunkle Jahreshälfte ankündigt. Mit dem Welken des oberirdischen Teils beginnt die Erntezeit für Alant- und Engelwurzwurzeln (Angelika).
Überall sind jetzt Radnetze vomKrafttier Kreuzspinne zu sehen. Sie erschafft damit heilige Räume und erinnert uns an das weben des Schicksals im großen Rad des Jahres.
Alte und neue Bräuche
Vorräte anlegen
Früher war die Ernte harte körperliche Arbeit: Die Feldfrüchte mussten eingeholt, Getreide gedroschen und Obst eingekocht oder gedörrt werden. Heute ist vieles einfacher, doch noch immer kochen Marmelade, trocknen Kräuter für den Winter und sammeln Pilze. Hast du das schon ausprobiert?
Dankbarkeit und das Dankopfer
Ein fester Bestandteil des Brauchtums ist das Dankopfer, traditionell werden dafür Brot, Wein oder Mehl an die Wurzeln eines Baumes gegeben. Es ist ein Akt der Demut, der Natur etwas von dem zurückzugeben, was sie uns geschenkt hat. Damit ehren wir nicht nur die Erde, sondern auch die Erntegeister und das „kleine Volk“, um deren Schutz wir für die kommende dunkle Zeit bitten.
Für Dein eigenes kleines Dank-Ritual zünde eine Kerze an und benenne ganz konkret drei Dinge, für die du in diesem Erntejahr dankbar bist.
Selbstreflektion und Orientierung
Da Tag und Nacht an Mabon im Gleichgewicht stehen, schauen wir auf unsere eigene „Waage“: Was habe ich in diesem Jahr gesät? Was konnte ich davon tatsächlich ernten? Welche Projekte, Gewohnheiten oder Beziehungen haben keine Frucht getragen und dürfen nun losgelassen werden?
Du möchtest tiefer in das Thema einsteigen?
Räuchern im Jahreskreis

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