Lammas (Lughnasad) – Das fest des ersten Brotes

Der Kornkönig und seine Schnitterin


Der Jahreszyklus eines Vegetationsgottes

Zu Litha am 21. Juni hatte er den Höhepunkt seiner Macht erreicht, es war der Sonnenhöchststand und der längste Tag des Jahres. Nun, zu Lammas am 1. August ist er vom Sonnenkönig zum Kronkönig gereift und seine Farbe und sein Licht sind nun reines Gold. Doch reifen bedeutet für ihn auch fallen, denn wie das Korn auf den Feldern fällt auch er unter Sense und Sichel, um den Menschen das Brot zu bringen.

Seine Gefährtin zieht nun das schwarze Kleid an und wird zur „Schnitterin“ die ihren Geliebten zurück in die Unterwelt ruft. Die Tage werden bereits merklich kürzer und an Mabon zum 21. September wird der Kornkönig in die Unterwelt eintauchen, in den Ur-Schoß der dunklen Mutter, bis er am Julfest zum 21. Dezember wieder neu geboren wird.

Viele alte Kulturen haben das Kommen und Gehen der Vegetation und der Fülle im Jahreszyklus in ihren Mysterienspielen wiedergegeben. Der sogenannte “Jahreskönig” wurde im Frühling gewählt und vermählte sich im Mai mit der Hohepriesterin um das Land zu befruchten und zu segnen. Doch im Herbst wurde er, später rituell doch in früher Zeit tatsächlich, dem Land geopfert um mit seinem Blut die Fruchtbarkeit der Erde auch für die Zukunft zu gewährleisten.

Verschiedene Kulturkreise, gleiches Prinzip

Tatsächlich gibt es in wohl jeder Kultur einen Gott oder eine Göttin der oder die in die Unterwelt gehen muss und recht zeitgleich mit der Natur wieder aus der Unterwelt hervortritt. Ein bekannteste Beispiel für den Vegetationszyklus kennen wir aus dem alten Ägypten und dem Fruchtbarkeitsgott Osiris. Doch auch hier in Europa kennen wir die germanische Mythologie und das Schicksal des Lichtgottes Lugh, dem Namensgeber dieses Festes. Wobei es den nordischen Göttern nicht gelingt, Lugh aus der Unterwelt zu befreien. Hier gibt es eine Überschneidung zwischen den “modernen” Asen mit Lugh und den etwas “urtümlichen” Wanen mit dem Vegetationsgott Frey. Bei den Griechen ist der Vegetationszyklus mit der Göttin Ceres verbunden, die jedes Jahr für eine gewisse Zeit zu Hades in die Unterwelt muss, bevor sie im Frühling wieder zu ihrer Mutter Demeter an die Oberfläche zurückkehren kann.

Der Erntezyklus und was er uns lehrt über unsere Work-Life-Balance

Lammas ist das erste von drei Erntefesten: Lammas, Mabon und Samhain. Vom 1. August bis zum 31. Oktober vollzieht sich ein “Richtungswechsel” vom Außen ins Innen.

Während im Frühling und Sommer alle Kräfte nach außen Streben und der Fokus ganz klar auf Wachstum ausgerichtet ist, so kehren sich nun die Kräfte langsam aber sicher nach Innen. Die Pflanzen produzieren nun nicht mehr neue Blätter, Äste oder Blüten, sondern nutzen die befruchteten Blüten um ihre Früchte reifen zu lassen. Sie leiten nun alle Kraft in das was bereits ist und legen Vorräte an für die nächste Generation.

Wir Menschen sind Teil der Natur und so kehrt sich auch unsere Kraft langsam aber sicher um. Im Frühling sind wir noch voller neuer Ideen und im Sommer voller Tatendrang. Die Tage scheinen extra so lang zu sein damit wir vieles in die Tat umsetzen und unsere Projekte realisieren können. Doch irgendwann ist der Sommer “plötzlich” vorbei und wir finden uns in der bekannten “Novemberdepression” wieder. Wenn das passiert haben wir uns nicht diese drei Monate Erntezeit Zeit genommen, um uns auf die Umkehrung der Kraft einzustellen. Nun geht es nicht mehr darum Neues zu beginnen sondern Kraft in das zu leiten, was bereits da ist um es bis Samhain zu einem guten Abschluss zu bringen.


Lammas in der “modernen” Zeit

Lammas liegt im Jahresrad auf einer Speiche mit Imbolc, dem Lichtfest am 1. Februar, und interessanter Weise teilen beide Feste ein ähnliches Schicksal, denn sie gerieten beide in Vergessenheit. Das Lammas-Fest wurde von der Herbst Tag-und-Nachtgleichen (Mabon), das wir heute als Erntedankfest kennen, quasi absorbiert. Vielerorts wurden die beiden Feste auch einfach  zusammengelegt. Nur wenige Bräuche vom Lammas-Fest konnten sich in die moderne Zeit retten. Aber es ist wichtig und es lohnt sich den alten Wurzeln dieses Festes nachzuspüren und neu zu beleben.


Bräuche zum “Fest des ersten Brotes”

Korn, Mehl und frisch gebackenes Brot auf einer Tischplatte

Traditionell wird an Lammas das erste, reife Korn geschnitten zu Mehl gemahlen und zu Brot gebacken. Dieses „erste Brot“ war heilig und wurde zeremoniell verzehrt.

Ein weiterer Brauch war das Binden von „Korndollys“. Glücksbringende Symbole aus Stroh geflochten sollen die Ernte, die noch auf den Feldern stand beschützen und Glück und Segen ins Haus bringen.

Die Felder werden mit Weihrauch gesegnet und mit Blumen geschmückt. Schutz- und Reifezauber wurden und werden über das Korn gesprochen, damit die Ernte heil in die Scheunen kommt. Scheunen und Vorratsspeicher wurden gründlich gesäubert, instand gesetzt und ausgeräuchert. Gerne werden an Lammas auch Orakel befragt, weil jetzt noch Zeit war das Ruder herum zu reißen wenn Unheil drohte.

Weiterhin war es Tradition an Lammas Kampf- und Geschicklichkeitsspiele wie Pferderennen und Axtwerfen abzuhalten. Eisen ins Feld zu werden soll den Donnergott davon abhalten die Ernte durch Blitzschlag, Hagel oder Gewitterstürme zu vernichten. Hufeisenwerfen und das „Vogelschießen“ sind Überbleibsel dieser alten Bräuche.

An Lammas wurden ebenfalls Versammlungen abgehalten, denn es galt herauszufinden, ob die Ernte gut genug ausfallen würde um alle über den Winter zu bringen, oder ob man die noch verbleibende Zeit bis Samhain noch ausnutzen musste um Alternativen wie Kastanien, Eicheln und Bucheckern zu sammeln.

Lammas wird auch der „Heilkräutersegen“ genannt, bei dem die über das Jahr gesammelten Heilkräuter für den Winter vorbereitet und gesegnet werden.

Kraftbäume und Pflanzenhelfer

Die Esche ist der heilige Baum des Lammasfestes und wurde beschworen um drohendes Unheil abzuwenden. Hierfür fertigte man Amulette aus Zweigen und Blättern oder Kraftstäbe aus seinem Holz an.
Auch die Eberesche mit den roten Beeren galt als Glücks und Schutzbaum. Amulette aus den Beeren mit Knotenmotiv oder angekreutzen Zweigen sind noch heute bekannt. „Eschenholz und roter Faden, hinein das Glück, hinaus aller Schaden.“

Eigentlich sind an Lammas alle Heilkräuter heilig und wichtig, aber besonders wichtig waren Eisenkraut (Verbena officinalis) und Beifuß (Artemisia vulgaris). Aus Eisenkraut wurde ein Sud hergestellt mit dem Kraftplätze, Altäre, magische Werkzeuge oder auch Erntewerkzeuge gereinigt wurden. Der Beifuß wurde geräuchert um Unglück und Krankheiten zu bannen.


 
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